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Training · 8 Min. Lesezeit

Grundübungen für Hybrid-Athlet:innen: vier Muster, die richtige Dosis, zwei Einheiten pro Woche

Grundübungen für Hybrid-Training: Welche vier Bewegungsmuster du brauchst, wie tief die Kniebeuge sein sollte, wie schwer, mit welchen Pausen und wie oft pro Woche.

Grundübungen für Hybrid-Athlet:innen: vier Muster, die richtige Dosis, zwei Einheiten pro Woche

In einer Profiküche lernst du am Anfang keine Rezepte. Du lernst schneiden, anbraten, ablöschen, abschmecken. Vier, fünf Grundtechniken, die jedes Gericht tragen. Wer sie sicher beherrscht, kocht in jeder Küche der Welt. Wer nur Rezepte auswendig kennt, steht ratlos da, sobald eine Zutat fehlt.

Mit dem Krafttraining in einer Hybrid-Woche ist es ähnlich. Viele Pläne sehen aus wie eine Speisekarte mit 40 Gerichten: zehn Geräte, zwölf Übungen, jede Woche eine neue Variante aus dem Feed. Das wirkt fleißig. Es macht den Fortschritt aber kaum messbar und kostet genau die Zeit, die neben Laufen, Rad oder Rudergerät ohnehin knapp ist.

Dieser Artikel zeigt dir die vier Bewegungsmuster, auf die ich den Kraftteil meiner Athlet:innen baue, wie du jedes davon mit oder ohne Studio trainierst, wie schwer und mit welchen Pausen, und wie du zwei Einheiten so in die Woche legst, dass dein Ausdauertraining nicht darunter leidet.

Warum vier Muster reichen

Die vier Muster heißen: Kniebeuge, Hüftbeuge, Drücken, Ziehen. Dazu kommt eine Übung auf einem Bein. Die Einteilung ist ein Ordnungsschema aus der Trainingspraxis. Sie hilft, jede Woche alle großen Muskelgruppen zu erwischen, ohne dass die Einheit ausufert.

Dass die großen, mehrgelenkigen Übungen dabei die Hauptrolle spielen, hat einen Grund. Paoli und Kollegen (2017) ließen 36 aktive Männer acht Wochen lang trainieren, entweder nur mit eingelenkigen Übungen wie Beinstrecker und Fliegende oder nur mit mehrgelenkigen wie Kniebeuge und Bankdrücken. Das Gesamtvolumen war gleich. Ergebnis:

Messgröße mehrgelenkig eingelenkig
Kniebeuge-Maximalkraft +13,8 % +8,3 %
Bankdrücken-Maximalkraft +10,9 % +8,1 %
VO₂max +12,5 % +5,1 %

Die Körperzusammensetzung veränderte sich in beiden Gruppen ähnlich. Das ist eine einzelne, kleine Studie mit jungen Männern; die genauen Prozentwerte sind nicht auf dich übertragbar. Die Richtung passt aber zu allem, was wir über Krafttraining wissen: Wer mit wenig Zeit viel erreichen will, setzt auf Übungen, die viel Muskulatur auf einmal bewegen.

Die Kniebeuge: Wie tief ist tief genug?

Kaum eine Frage wird im Kraftraum so leidenschaftlich diskutiert. Kubo und Kollegen (2019) haben sie elegant beantwortet, zumindest für den Muskelaufbau. Zwei Gruppen trainierten zehn Wochen lang zweimal pro Woche Kniebeugen, die eine bis etwa 140 Grad Kniebeugung, die andere nur bis etwa 90 Grad. Gemessen wurde per MRT.

  • Die Oberschenkel-Vorderseite wuchs in beiden Gruppen fast gleich (+4,9 vs. +4,6 %).
  • Der große Gesäßmuskel wuchs bei voller Tiefe um 6,7 %, bei halber um 2,2 %.
  • Die Adduktoren an der Innenseite der Oberschenkel um 6,2 vs. 2,7 %.

Wer also nur auf die Vorderseite schaut, kommt mit der halben Kniebeuge gut zurecht. Der Po bekommt dabei aber nur etwa ein Drittel ab. Und die Kraft war teilweise tiefenspezifisch: In der tiefen Kniebeuge legte die tiefe Gruppe um 31,8 % zu, die halbe um 11,3 %.

Heißt das: Po auf die Fersen, koste es, was es wolle? Nein. Ich empfehle, so tief zu gehen, wie du die Position sauber hältst, Rücken stabil, Füße fest am Boden, und die Tiefe Woche für Woche auszubauen. Ein Stuhl oder eine Bank als Ziel macht die Tiefe messbar. Die Studie sagt übrigens nichts über Verletzungsrisiken; bei Knie- oder Hüftbeschwerden lässt du die Tiefe besser ärztlich oder physiotherapeutisch abklären.

Die Hüftbeuge: Kreuzheben, Hip Thrust oder Rumänisches Kreuzheben?

Bei der Hüftbeuge arbeitet vor allem die Hüfte: beugen, kräftig strecken. Kreuzheben ist die bekannteste Übung dafür, und ich mag sie. Eine Pflicht ist sie nicht.

Plotkin und Kollegen (2023) ließen Einsteiger:innen neun Wochen lang satzgleich entweder Kniebeugen oder Hip Thrusts trainieren. Der Gesäßmuskel wuchs in beiden Gruppen ähnlich, der Hip Thrust lag leicht vorn. Die Kniebeuge brachte mehr an Quadrizeps und Adduktoren. Und das Spannende: Im Kreuzheben-Test verbesserten sich beide Gruppen ähnlich, obwohl niemand Kreuzheben trainiert hatte.

Jede Übung verbesserte trotzdem vor allem sich selbst. Wer schwer Kreuzheben können will, trainiert Kreuzheben. Für alle anderen wähle ich die Hüftübung nach Person:

  • Rumänisches Kreuzheben, wenn die Rückseite der Oberschenkel ran soll; mit Kurzhanteln oder Rucksack, gern auch einbeinig.
  • Hip Thrust oder Glute Bridge, wenn der Rücken empfindlich ist oder der Po im Fokus steht.
  • Kreuzheben, wenn die Technik sitzt und du schwer heben willst. Der Griff trainiert gleich mit.

Drücken: Liegestütz zählt

Keine Hantelbank im Hotel? Dann eben der Boden. Kikuchi und Nakazato (2017) verglichen acht Wochen lang Bankdrücken mit etwa 40 % des Maximalgewichts und Liegestütze mit derselben Last. Kraft und Muskeldicke an Brust und Trizeps stiegen in beiden Gruppen ähnlich.

Der Haken steckt im Wort „Last“: Die Liegestütze waren so angepasst, dass sie gleich schwer waren. Wer 30 normale Liegestütze locker schafft, braucht irgendwann eine schwerere Variante: Füße erhöht, drei Sekunden absenken, unten kurz halten oder ein Rucksack mit Büchern. Und wer noch keine fünf sauberen schafft, stellt die Hände auf eine Bank oder einen Tisch und senkt die Höhe Woche für Woche. Über Kopf ergänzen Kurzhantel-Drücken oder Pike Push-ups.

Ziehen: der Teil, der am häufigsten fehlt

Laufen, Radfahren, Liegestütze: In vielen Hybrid-Wochen kommt Ziehen schlicht nicht vor. Deshalb steht bei mir in jeder Krafteinheit eine Zugübung, einmal Rudern, einmal Klimmzug oder Latzug, und mindestens so viele Zug- wie Drucksätze pro Woche. Das ist eine Faustregel aus dem Coaching, keine Studienzahl.

Wer noch keinen Klimmzug schafft, ist in bester Gesellschaft. Der Weg: aktiv hängen, Schultern weg von den Ohren. Dann negative Klimmzüge, also oben starten und in drei bis fünf Sekunden ablassen. Dann Klimmzüge mit Band. Rudern bleibt die ganze Zeit die Basis.

Ein Nebeneffekt: Beim Ziehen, Heben und Tragen wächst der Griff mit. In einer Metaanalyse von Kohortenstudien lag das Sterberisiko pro 5 kg weniger Griffkraft um rund 16 % höher (Garcia-Hermoso et al., 2018). Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis. Ein schöner Grund, das Ziehen nicht zu vergessen, ist es trotzdem.

Einbeinig: das Muster für Läufer:innen

Jeder Laufschritt landet auf einem Bein. Bei HYROX warten Ausfallschritte mit Sandbag. Einbeinige Übungen sind deshalb für Hybrid-Athlet:innen keine Reha, sondern Grundausstattung.

Speirs und Kollegen (2016) verglichen bei 18 Rugby-Nachwuchsspielern fünf Wochen Split Squat mit erhöhtem hinterem Fuß gegen die klassische Kniebeuge. Beide Gruppen steigerten Kniebeuge- und Split-Squat-Kraft, 40-Meter-Sprint und Wendigkeit. Junge, trainierte Sportler, kurze Studie, aber eine klare Richtung: Einbeinig ist vollwertiges Krafttraining.

Der praktische Bonus: Du brauchst weniger Gewicht für einen ähnlichen Reiz pro Bein. Ein Stuhl und ein Rucksack reichen. Mach den Schritt lang genug, dass die vordere Ferse am Boden bleibt, halte dich am Anfang ruhig fest, und lass die schwächere Seite das Tempo vorgeben.

Wie schwer, wie viele Wiederholungen?

Leichte Gewichte bauen keinen Muskel? Doch. In einer Metaanalyse von Schoenfeld und Kollegen (2017) lagen leichte Lasten (bis 60 % des Maximalgewichts) und schwere beim Muskelaufbau ähnlich. Bei der Maximalkraft lagen die schweren vorn. Die wichtige Bedingung: In den Studien gingen die Sätze bis zum Muskelversagen. Leicht wirkt also nur, wenn der Satz wirklich hart wird.

Für eine Hybrid-Woche ziehe ich daraus diesen Schluss: Sehr harte, lange Sätze kosten Frische für den nächsten Lauf. Schwere Sätze mit wenigen Wiederholungen bringen Kraft mit vergleichsweise wenig Ermüdung. In der Praxis heißt das bei mir:

  • Kniebeuge und Hüftbeuge: 3 bis 6 Wiederholungen, wenn die Technik sitzt; zum Einstieg 8 bis 10.
  • Drücken, Ziehen, einbeinig: 6 bis 12 Wiederholungen.
  • Immer 1 bis 3 Wiederholungen in Reserve. Steigern, wenn alle Sätze mit 2 in Reserve gelingen.

Satzpausen: Grundübungen sind kein Zirkel

Kniebeuge, Burpees, Rudern, ohne Pause, im Kreis: Das trainiert etwas, aber eher den Puls als die Kraft. Schoenfeld und Kollegen (2016) ließen 21 krafttrainierte Männer acht Wochen lang mit einer oder drei Minuten Pause zwischen den Sätzen trainieren. Die längere Pause brachte mehr Kraft und mehr Muskel.

Ich gebe schweren Kniebeugen und Kreuzheben zwei bis drei Minuten, Drücken und Ziehen eineinhalb bis zwei. Wer Zeit sparen will, wechselt Drücken und Ziehen ab: Ein Muster arbeitet, das andere pausiert. Zirkel und Stationstraining bekommen ihren eigenen Tag. Das ist kein Verzicht, das ist Arbeitsteilung.

Beweglichkeit gibt es gratis dazu

„Krafttraining macht steif“ gehört zu den hartnäckigsten Irrtümern im Studio. Afonso und Kollegen (2021) werteten elf Studien mit 452 Teilnehmenden aus, von Sportler:innen bis zu Älteren. Bei der Beweglichkeit fanden sie keinen Unterschied zwischen Krafttraining und Dehnen.

Die Bedingung ist die volle Bewegung. Eine tiefe Kniebeuge, ein Rumänisches Kreuzheben, ein Split Squat mit langem Schritt, langsam abgesenkt und unten kurz gehalten: Da trainierst du Beweglichkeit unter Last mit. Dehnen darfst du trotzdem, wenn es dir guttut. Ein Pflichtprogramm, um beweglich zu werden, ist es nicht.

Wie oft und wohin in der Woche?

Muss es dreimal pro Woche sein? Eine Metaanalyse aus zwölf Studien (Ralston et al., 2018) fand: Bei gleicher Satzzahl pro Woche machte die Zahl der Termine für die Kraft keinen signifikanten Unterschied. Nur der Oberkörper profitierte von drei und mehr Einheiten gegenüber einer.

Für die meisten Hybrid-Athlet:innen plane ich deshalb zwei Krafteinheiten. Und weil die Explosivkraft in einer großen Auswertung vor allem dann litt, wenn Kraft und Ausdauer in derselben Einheit lagen (Schumann et al., 2022), kommen Sprünge und schnelle Wiederholungen an den Anfang einer Einheit, nicht nach dem Lauf.

Einheit A Einheit B
Kniebeuge Kniebeuge Goblet Squat
Hüftbeuge Rumänisches Kreuzheben Hip Thrust oder Kreuzheben
Drücken Bankdrücken oder Liegestütz Überkopfdrücken
Ziehen Rudern Klimmzug oder Latzug
Einbeinig Split Squat Step-up

Mindestens ein Tag zwischen A und B, keine schwere Beineinheit am Abend vor dem Intervalltraining, und beide Termine fest im Kalender, nicht „wenn noch Zeit ist“.

Fazit

Vier Muster, eine einbeinige Übung, zwei Einheiten pro Woche: Das ist kein Minimalprogramm, sondern eine Grundausstattung, mit der du in jedem Studio, jedem Hotelzimmer und auf jeder Terrasse trainieren kannst. Die Übung darf wechseln, das Muster bleibt. Volle Bewegung, genug Last, echte Pausen und ein fester Platz in der Woche machen den Rest.

Wenn du nur eine Sache mitnimmst: Schreib dir Einheit A und B wie Termine in den Kalender. Die beste Übung ist die, die du jede Woche machst.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Bei Gelenk- oder Rückenbeschwerden, nach Verletzungen oder mit Vorerkrankungen bitte vor dem Start abklären.

Weiterlesen

Quellen

  • Paoli A, Gentil P, Moro T, Marcolin G, Bianco A (2017). Resistance Training with Single vs. Multi-joint Exercises at Equal Total Load Volume. Front Physiol 8:1105. https://doi.org/10.3389/fphys.2017.01105
  • Kubo K, Ikebukuro T, Yata H (2019). Effects of squat training with different depths on lower limb muscle volumes. Eur J Appl Physiol. https://doi.org/10.1007/s00421-019-04181-y
  • Plotkin DL, Rodas MA, Vigotsky AD et al. (2023). Hip thrust and back squat training elicit similar gluteus muscle hypertrophy and transfer similarly to the deadlift. Front Physiol 14:1279170. https://doi.org/10.3389/fphys.2023.1279170
  • Kikuchi N, Nakazato K (2017). Low-load bench press and push-up induce similar muscle hypertrophy and strength gain. J Exerc Sci Fit 15(1):37–42. https://doi.org/10.1016/j.jesf.2017.06.003
  • Garcia-Hermoso A et al. (2018). Metaanalyse prospektiver Kohortenstudien zu Griffkraft und Gesamtmortalität. PMID 28549705
  • Speirs DE, Bennett MA, Finn CV, Turner AP (2016). Unilateral vs. bilateral squat training for strength, sprints, and agility in academy rugby players. J Strength Cond Res 30(2):386–392.
  • Schoenfeld BJ, Grgic J, Ogborn D, Krieger JW (2017). Strength and Hypertrophy Adaptations Between Low- vs. High-Load Resistance Training. J Strength Cond Res 31(12):3508–3523. https://doi.org/10.1519/JSC.0000000000002200
  • Schoenfeld BJ, Pope ZK, Benik FM et al. (2016). Longer Interset Rest Periods Enhance Muscle Strength and Hypertrophy in Resistance-Trained Men. J Strength Cond Res 30(7):1805–1812. https://doi.org/10.1519/JSC.0000000000001272
  • Afonso J, Ramirez-Campillo R, Moscão J et al. (2021). Strength Training versus Stretching for Improving Range of Motion. Healthcare 9(4):427. https://doi.org/10.3390/healthcare9040427
  • Ralston GW, Kilgore L, Wyatt FB, Buchan D, Baker JS (2018). Weekly Training Frequency Effects on Strength Gain: A Meta-Analysis. Sports Med Open 4:36. https://doi.org/10.1186/s40798-018-0149-9
  • Schumann M et al. (2022). Compatibility of Concurrent Aerobic and Strength Training for Skeletal Muscle Size and Function. Sports Med 52(3):601–612. https://doi.org/10.1007/s40279-021-01587-7

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